[Intro] [The old Kulturhaus piano plays the rising motif in straight time.] [Duet] Neue Sprache für Heimat. Kein Zaun. Kein Schlusswort. [Verse 1] [Female Vocal] Fünf Jahre später klemmt noch die Tür. Doch morgens um sieben sind Menschen schon hier. Im Saal stehn Werkbänke, am Rand probt der Chor. Hinter der Bühne summt leise ein Motor. Milans Helm steht nicht hinter Glas. Er liegt auf dem Tisch bei Zirkel und Maß. [Verse 2] [Male Vocal] Drei Tage die Woche komm ich zurück. Nicht ganz aus Berlin, nicht aus Pflicht oder Glück. Mit Lehrlingen plane ich Speicher und Netz. Du kochst viel zu starken Kaffee wie jetzt. Wir streiten um Fristen, Material und Geld. Abends zieht Giselas Stimme durchs Feld. [Chorus] [Duet] Neue Sprache für Heimat, ohne Zaun und ohne Pflicht. Neue Sprache für Heimat, die das Alte nicht zerbricht. Bleiben, gehen: Beides löscht die eigne Herkunft nicht. Neue Sprache für Heimat wächst erst, wenn hier einer widerspricht. [Verse 3] [Female Vocal] Das Mädchen von damals liest Kindern den Plan. Sie zeigt ihnen Kirche und Straße im Sand. [Child Vocal] War früher denn alles schlecht? [Young Female Vocal] Nein. Darum nennen wir Lohn und Verlust. [Verse 4] [Male Vocal] Die Apotheke fehlt. Nur drei Busse am Tag. Nicht jedes Versprechen hielt, was es versprach. Klaus lebt bei der Tochter. Gisela singt tief. Manch Fenster blieb dunkel, manch Antrag blieb liegen. [Duet] Wir zählen, was fehlt, ohne Trost aus Papier. Dann öffnen wir morgens die Werkstatttür. [Chorus] [Duet] Neue Sprache für Heimat, ohne Zaun und ohne Pflicht. Neue Sprache für Heimat, die das Alte nicht zerbricht. Bleiben, gehen: Beides löscht die eigne Herkunft nicht. Neue Sprache für Heimat wächst erst, wenn hier einer widerspricht. [Bridge] [Female Vocal] Ich dachte, Heimat sei Boden allein. [Male Vocal] Ich dachte, Heimat sei das, was man flieht. [Duet] Heute heißt sie: kommen und gehn, sagen, was fehlt, und einander verstehn. [Reprise] [Female Vocal] Der Nebel liegt morgens noch immer am Feld. Doch keine Sirene zählt uns in die Welt. [Male Vocal] Ein Lehrling zieht weit das Hallentor auf. Die Sonne fällt nüchtern auf Werkzeug und Staub. [Final Chorus] [Duet] Neue Sprache für Heimat kennt Verlust und Widerspruch. Sie schreibt keinen schönen Schluss in ein geschlossenes Buch. Nichts wird wieder wie früher. Doch die Namen schwinden nicht. Neue Sprache für Heimat wächst aus Erde, Hand und Schicht. [Post-Chorus] [Female Vocal] Der Baum steht im Wind. [Male Vocal] Der Helm steht im Haus. [Duet] Ein Zug fährt nach Berlin. Ein anderer fährt hinaus. [Outro] [Piano, harmonium and one metal tone remain.] [Duet] Auf schwarzer Erde liegt Morgentau. Kein Banner, kein Plan. Die Werkbank wird laut. Neue Sprache für Heimat beginnt nicht bei null. Sie nimmt, was noch da ist: den Namen im Stahl.